Aktuelle Anlässe

Der Klimastreik organisiert regelmässig Proteste und Informationsveranstaltungen zum Ölkraftwerk in Birr. Hier halten wir dich auf dem Laufenden.

Informationen und Fakten

Hier listen wir die wichtigsten Fakten und Informationen zum Ölkraftwerk in Birr auf. Diese können immer wieder angepasst werden, wenn genauere Informationen vorliegen.

Was und wieso in Birr gebaut wird

Der Bund lässt aktuell ein Kraftwerk auf dem Gelände von General Electric (GE) in Birr bauen. Dieses wird mit Öl oder Gas betrieben. Das Kraftwerk soll ab Mitte Februar 2023 bereitstehen und ist bewilligt bis im Frühling 2026. Die Einsprachefrist ist bereits abgelaufen.

Obwohl es andere Lösungen gäbe, lässt der Bund aktuell eine Kraftwerk in Birr bauen. Dieses sollte eingesetzt werden, falls zu wenig Strom produziert wird. Das Kraftwerk kann prinzipiell mit Öl, Gas oder Wasserstoff betrieben werden. Da aber Gas in diesem Winter knapp sein wird und Wasserstoff in diesen Mengen nicht zur Verfügung steht, wird das Kraftwerk höchstwahrscheinlich mit Heizöl betrieben. Deshalb ist im weiteren Verlauf von “Ölkraftwerk” die Rede.

Technische Angaben

General Electric stellt acht mobile Ölkraftwerke vom Typ TM 2500 auf den ehemaligen Parkplatz neben dem Werk von General Electric gleich beim Bahnhof Birr. Diese haben eine Gesamtleistung von 250 MW. Ausserdem werden drei weitere Öltanks zugebaut, insgesamt stehen dann elf Öltanks zur Verfügung. Auch Transformatoren und Wassertanks müssen noch gebaut werden. Ausserdem muss der Gasanschluss verlängert werden. Auf der gegenüberliegenden Seite der Zentralstrasse werden die Öl- und Wassertanks zusammengefügt.

Zeitlicher Ablauf

Die Bauarbeiten haben Ende September begonnen. Stand Ende Oktober befinden sich drei Kräne auf dem Gelände. Die ersten Turbinen für die Kraftwerke sollten Ende November oder Anfang Dezember in Birr eintreffen. Diese werden über Koper, Slowenien, nach Rotterdam, Niderlande, per Schiff transportiert. Von dort werden sie ebenfalls per Schiff über den Rhein in die Schweiz gebracht. In der Schweiz, wahrscheinlich in Basel, werden diese auf Sattelschlepper verladen. Pro Turbine werden dabei fünf Lastwagen benötigt8. Diese Kraftwerke können gemäss Herstellerangaben innerhalb von 11 Tagen aufgebaut und in Betrieb genommen werden9. Ab Januar sollte dann der Testbetrieb beginnen, sodass die Kraftwerke ab Mitte Februar einsatzbereit sind.

Keine demokratische Mitsprache

Der Bundesrat hat am 23. September eine neue Verordnung zum Kraftwerk in Birr erlassen10. Eine Verordnung kann vom Bundesrat eigenhändig geändert oder erstellt werden und braucht keine Zustimmung vom Parlament. Zahlreiche Gesetze und Verordnungen werden dabei ausser Kraft gesetzt, unter anderem die Lärmschutz- und Luftreinhalteverordnungen.

Das Einspracheverfahren gegen die Kraftwerke dauerte nur eine Woche und hat keine aufschiebende Wirkung, das heisst, dass die Bauarbeiten trotzdem weitergehen. Es gab zwei Einsprachen. Nach der erwarteten Ablehnung durch den Bund haben die Beschwerdeführer*innen nur fünf Tage Zeit, gegen den Beschluss beim Bundesverwaltungsgericht zu klagen. Dessen Urteil ist definitiv und kann nicht weitergezogen werden.

Langfristige Pläne - auch für Birr?

Der Bund hat bereits angekündigt, dass in Birr auch über 2026 hinaus Kraftwerke betrieben werden können. Die sogenannten Spitzenlast-Kraftwerke sollten dabei insgesamt eine Leistung von 1000 MW zur Verfügung stellen. Der Bund ist deshalb auch in Abklärung mit weiteren Standorten. Birr und andere Orte könnten also über die nächsten Jahrzehnte von lärmenden, stinkenden Kraftwerken geplagt werden. Gewisse Politiker*innen fordern bereits jetzt, dass diese Kraftwerke nicht nur im Notfall, sondern immer laufen sollten. 

Es wird laut

Die Kraftwerke werden so laut wie ein Staubsauger, welcher immer dröhnt - auch in der Nacht.

In der nahe gelegenen Siedlung zum Kraftwerk kann es bis zu 74 Dezibel laut werden. Dies ist ungefähr so laut wie ein Staubsauger. Für einige Minuten ist das aushaltbar, aber das Kraftwerk kann über Stunden oder Tage hinweg laufen. Dann wird dieses Geräusch unerträglich: Man kann sich nicht mehr konzentrieren oder schlafen.

Es wird stinken

Die Schadtstoffe bedeuten eine erhebliche Gefahr für ältere und gesundheitlich angeschlagene Personen in Birr. Auch die Kinder aus der nahe gelegenen Schule werden gesundheitsschädliche Luft einatmen. Naturschutzgebiete rund um Birr sind bedroht.

Bei der Verbrennung von Öl oder Gas werden gesundheitsschädliche Schadstoffe freigesetzt. Innerhalb von 24 Stunden werden bei Gas 2.8 Tonnen Stickoxide (NOx) und bei Öl sogar 4.8 Tonnen ausgestossen. Ausserdem entsteht Kohlenmonoxid (CO), bei Gas 6.64 Tonnen und bei Öl 2.8 Tonnen in 24 Stunden. Diese überschreiten klar die Vorgaben der Schweizer Luftreinhalteverordnung.

Gesundheitliche Folgen von Stickoxiden

Die Lungenliga listet folgende Auswirkungen von Stickoxiden auf1:

  • Entzündungserscheinungen in den Atemwegen
  • Verstärkte Reizwirkung von Allergenen
  • Eine verschlechterte Infektabwehr
  • Vermindertes Lungenwachstum bei Kindern
  • Herzrhythmusstörungen und Herzinfarkte
  • Zunahme der Spitaleinweisunge wegen Lungenkrankheiten
  • Erhöhung des Todesfallrisikos infolge von Kreislauf- und Atemwegskrankheiten

 

Gesundheitliche Folgen von Kohlenmonoxid

Gemäss der Lungenliga2 kann Kohlenmonoxid zu “temporären oder dauerhaften Schäden von verschiedenen Organen führen”.

 

Bildung von Ozon

Sowohl Stickoxide wie Kohlenmonoxid sind Vorläuferstoffe für Ozon. Die Lungenliga listet folgende Auswirkungen von Ozon auf3:

  • Reizungen in Nase und Hals
  • Husten und Schmerzen beim tiefen Luftholen
  • Atemprobleme bei körperlicher Anstrengung und sportlicher Betätigung im Freien
  • Reduktion der Lungenkapazität
  • Asthmaanfälle
  • Verstärkte Reaktion der Luftwege auf andere Reize (Feinstaub, Stickstoffdioxid, Pollen und Milben) Zunahme der Krankenhauseinweisungen wegen Lungenkrankheiten
  • Erhöhung des Todesfallrisikos infolge von Lungen- und Herzkrankheiten

Ozon schädigt auch Pflanzen und Ökosysteme4. Dies schadet Bäumen, aber auch dem Ertrag aus landwirtschaftlichen Ernten5.

Das Kraftwerk zerstört unsere Lebensgrundlage

Die Ölkraftwerke in Birr produzieren mehr klimaschädliche Gase als alle Einwohner*innen von Zürich im gleichen Zeitraum.

Beim Vebrennen von Öl oder Gas entsteht das klimaschädliche Treibhausgas CO2. Dieses erhitzt unsere Atmosphäre und führt dazu, dass sich unser Klima verändert. Die Klimakrise hat dabei lebensgefährliche Folgen für uns alle. Im Sommer 2022 haben wir alle die Hitze gespürt. Die Aare, welche nahe bei Birr durchfliesst, hat sich so stark erwärmt, dass unzählige Fische gestorben sind.

Das Kraftwerk in Birr stösst pro Tag 4'786 Tonnen CO2 beim Betrieb mit Öl und 3'625 Tonnen CO2 beim Betrieb mit Gas aus. 

Jeder Mensch in der Schweiz verbrauchte im Jahr 2020 durchschnittlich vier Tonnen CO2. Dies sind an einem Tag rund 11 kg CO26. Das Kraftwerkt stösst also beim Betrieb mit Öl gleich viel CO2 aus wie rund 436'723 Menschen. Die Wohnbevölkerung der Stadt Zürich betrug im Jahr 2021 436'332 Personen7. Wird das Kraftwerk mit Gas betrieben, so würde dieses mehr CO2-Emissionen wie die zweitgrösste Schweizer Stadt, Genf, ausstossen und etwa so viele wie alle Bewohner*innen im Kanton Freiburg zusammen.

Es braucht keine Ölkraftwerke

Es gibt zahlreiche kostengünstigere, leisere und weniger schädliche Alternativen zu einem Bau von Ölkraftwerken. Windräder lieferen zuverlässig Strom in den Wintermonaten13. Auch müssen rasch Solaranlagen auf versiegelten Flächen wie Staumauern in den Alpen installiert werden. Nebst dem müssen Grossverbraucher von Strom viel stärker Strom sparen.

Anstelle von Ölkraftwerken braucht es andere Massnahmen, welche keine klimaschädliche Emissionen verursachen, keine Menschen krank machen, nur wenig bis keinen Lärm verursachen und wahrscheinlich weniger kosten:

  • Strengere Stromsparmassnahmen für Grossverbraucher
  • Rascher Zubau von Windenergie (sind ca. hundert Mal leiser wie ein Ölkraftwerk)
  • Rascher Ausbau von Solaranlagen auf versiegelten Flächen im Alpenraum
  • Zurückhaltung des Wassers in den Stauseen

Der Klimastreik hat auch mit Expert*innen und Wissenschaftler*innen einen Plan zur Energiewende ausgearbeitet: https://climatestrike.ch/posts/cap-5-energy-supply-executive-summary

Steuermillionen verbrannt

Die Kosten für die ganze Laufzeit sind auf 470 Millionen Franken angesetzt11. Dabei macht General Electrics einen fetten Gewinn, obwohl dieses Geld viel besser hätte eingesetzt werden können.

Der Bund veranschlagt für die Gesamtkosten des Kraftwerks 470 Millionen. Dabei wird nicht ersichtlich, ob die Kosten für die Beschaffung von Gas und Öl bereits einberechnet sind.

Im letzten Jahr belief sich der gesamte Förderbeitrag für Photovoltaik ebenfalls auf 470 Millionen Franken12, nur dass dabei Anlagen mit einer Leistung von über 1000 MW gebaut wurden, also der vierfachen Leistung von Birr.

Weitere Informationen

Wir wehren uns!

Du bist aus Birr oder der Umgebung und bist gegen die Ölkraftwerke? Dann wehr dich zusammen mit dem Klimastreik dagegen. Zusammen organisieren wir Proteste oder Informationsveranstaltungen und machen auf dieses Unrecht aufmerksam. Schreib uns eine E-Mail an folgende Adresse: contact@climatestrike.ch

Wer ist der Klimastreik?

Der Klimastreik ist eine Bewegung, welche es seit 2018 gibt. Wir wollen, dass keine Kohle, kein Erdgas und kein Öl mehr verbraucht wird. Diese erhitzen unsere Erde und zerstören unsere Lebensgrundlage. Wir setzen uns für eine ökologische und soziale Gesellschaft ein. Wir sind parteiunabhängig und mehrheitlich junge Menschen. An unsere Anlässe kommen aber Menschen in jedem Alter.

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