Stahl für die Zukunft: Klimastreik fordert sozial-ökologische Industriepolitik
09.11.2024 – Heute protestierten hunderte Stahlwerker*innen in Gerlafingen für die Rettung von 120 Arbeitsplätzen und den Erhalt des gesamten Werks. Der Klimastreik schloss sich ihrem Protest an, zeigte Solidarität mit den Arbeitnehmenden und forderte in einer Rede eine sozial-ökologische Industriepolitik.
Die Schweizer Stahlwerke stecken in einer Krise. Von rechtsbürgerlicher Seite werden die hohen Stromkosten dafür verantwortlich gemacht. Für den Klimastreik ist das aber nur die halbe Wahrheit, die Hauptursachen für die Verluste der Stahlfirmen in der Schweiz sind stattdessen die weltweite Überproduktion von Stahl und der günstige Import aus dem Ausland.
Vergesellschaftung statt Werkschliessung
Stahl als wiederverwendbares Baumaterial ist heute zentral für die Gesellschaft. Der Import von Billigstahl verursacht jedoch um Einiges mehr CO₂-Emissionen als das lokal produzierende Stahlwerk Gerlafingen. Ausserdem wird in Gerlafingen ein Grossteil des Schweizer Altmetalls recycelt und somit ein Ansatz der Kreislaufwirtschaft geschaffen. Trotz der immer noch hohen Emissionen von Stahl ist er in der Schweiz in verschiedenen Bereichen für den ökologischen Umbau grundlegend, beispielsweise für die Erweiterung von Zugnetzen für klimafreundliche Mobilität, für den Bau von Windrädern für ökologische und dezentrale Stromproduktion, für die Herstellung von Wärmepumpen und für vieles mehr.
Der Weltklimarat (IPCC) unterstreicht in seinem Bericht 2023 die Rolle von Massnahmen im Industriesektor wie Nachfragesteuerung, Energie- und Materialeffizienz, zirkuläre Materialflüsse sowie Technologien zur Emissionsminderung und transformative Veränderungen der Produktionsprozesse braucht. Darauf gestützt geht der Klimastreik noch einen Schritt weiter und fordert, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben und dass über die Produktion und Anwendungszwecke des Stahls in Zukunft gemeinsam entschieden wird. “Mit einer Vergesellschaftung können wir sichergehen, dass sowohl die Zukunft des Werks gewährleistet ist als auch gegen die Überproduktion kämpfen”, sagt Anna Lindermeier vom Klimastreik Zürich. “Es könnte so gemeinsam über die Anwendungsbereiche von Stahl und die Produktionsmenge und -weise entschieden werden.”
Klimastreik unterstützt Kampf der Arbeiter*innen vor Ort
Aus diesen Gründen unterstützt der Klimastreik die kämpfende Belegschaft des Stahlwerks Gerlafingen und war heute, am 9. November, mit einer Rede und einem Transparent an der Kundgebung präsent. “Wir zeigen hier erneut, dass der Kampf gegen die Klimakrise auch ein Kampf für soziale Gerechtigkeit ist und dass es ohne Stahlwerker*innen keine ökologische Wende geben wird”, meint Sebastian Killer vom Klimastreik Bern. “Wir müssen Seite an Seite für eine gerechte und ökologische Zukunft kämpfen!”, fügt Robin Augsburger vom Klimastreik Neuchâtel an.