Klimastreik solidarisiert sich mit dem Kampf der Arbeiter*innen vom Stahlwerk Gerlafingen
14.10.2024 – Das Stahlwerk Gerlafingen hat angekündigt wegen finanzieller Schieflage erneut 120 Arbeiter*innen zu entlassen. Die Gewerkschaft UNIA setzt sich mit einer Kampagne gegen diesen Stellenabbau und gleichzeitig für eine nachhaltige Produktionsweise von Stahl ein. Der Klimastreik Schweiz solidarisiert sich mit den betroffenen Arbeiter*innen und begrüsst die klimapolitischen Forderungen der UNIA als richtige Stossrichtung. Jedoch gehen sie zu wenig weit: Nur unter demokratischer Kontrolle kann die Industriepolitik zukunftsfähig und sozialökologisch werden.
Stahlwerker*innen bauen die Energiewende
Ohne lokale Stahlproduktion in der Schweiz wird der notwendige künftige Aufbau von Produktionsanlagen für Wind- und Solaranlagen in der Schweiz, welche den inländischen Bedarf decken können, massiv erschwert: Die Importkosten steigen, die Kontrolle über die Lieferketten sinkt und die Anzahl an ausgebildeten Industriearbeiter*innen schrumpft weiter. Ausserdem bedeutet der Transport aus dem Ausland weitere CO2-Emissionen, welche durch eine hiesige Stahlproduktion vermieden werden können.
Des Weiteren betreiben Stahl Gerlafingen das grösste Recyclingwerk der Schweiz: Ein Grossteil des Schweizer Altmetalls wird dort eingeschmolzen und zum Baumaterial Stahl weiterverarbeitet. Somit ist ein lokales Stahlwerk ein wichtiger Teil für den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft.
Das Stahlwerk Gerlafingen muss aus Sicht des Klimastreiks dringend erhalten bleiben und keine Arbeiter*innen dürfen entlassen werden. Die Situation der Arbeiter*innen und die Energiewende in der Schweiz dürfen nicht länger von der Willkür einiger reicher Unternehmer abhängen.
“Ohne eine unabhängige Stahlindustrie wird die dringend benötigte Energiewende unmöglich sein. Deshalb haben die Stahlwerker*innen eine Schlüsselrolle im Kampf gegen die Klimakrise” erklärt Cyrill Hermann vom Klimastreik Zürich.
Nachhaltige Stahlproduktion und sichere Arbeitsplätze
Der Klimastreik unterstützt die Forderungen der UNIA für eine nachhaltige Stahlproduktion. Denn ohne grünen Stahl wird die Klimakrise nur weiter angeheizt.
Für Sebastian Killer vom Klimastreik Bern ist klar, dass es für eine echte ökologische Produktion und für die langfristige Sicherung der Arbeitsplätze eine Vergesellschaftung des Stahlwerks Gerlafingen braucht. Denn unter den Marktzwängen werden Arbeiter*innen und Ökologie nie die erste Priorität erlangen.
Eine solche Übernahme der Produktion müsste einhergehen mit einer starken Reduktion des Energieverbrauchs und der Stahlnachfrage, sowie dem Aufbau einer einheimischen Industrie für Produktionsanlagen von erneuerbarer Energie.
Bereits im Frühling 2024 hat der Klimastreik ein Positionspapier zur Stahlindustrie auf der Website veröffentlicht: https://climatestrike.ch/posts/position-paper-industrial-policy
Petition und Aufruf zum Protest
Mit einer Petition fordert die UNIA ein dringendes Bekenntnis des Unternehmens zur Weiterführung des Betriebes und zur Sicherung der Arbeitsplätze. Zusätzlich fordert die Gewerkschaft, dass der Bundesrat auf das revidierte Umweltgesetz zurückgreift und durch griffige Verordnungen zu einer grünen und lokalen Stahlindustrie beiträgt.
Weiter findet am 9. November eine Kundgebung vor dem Stahlwerk Gerlafingen bei Solothurn statt. Der Klimastreik unterstützt die Kampagne und ruft ebenfalls zum Unterschreiben der Petition sowie zur Teilnahme am Protest vor Ort auf.
Petition: https://unia.ch/de/aktuell/aktuell/artikel/a/21626