Offener Brief: Nach Gerichtsurteil zu den Reservekraftwerken erneute Aufforderung, nicht an der Ausschreibung bezüglich neuen Reservekraftwerken teilzunehmen
Dieser offene Brief richtet sich an alle potenziellen Betreiber:innen von fossilen Reservekraftwerken. Der Klimastreik fordert alle potenziellen Betreiber:innen von fossilen Reservekraftwerken auf, von einer Teilnahme an der Ausschreibung des Bundesamtes für Energie abzusehen.

Dieser offene Brief richtet sich namentlich an die General Electric GmbH, Groupe E AG, Axpo Solutions AG, BKW Energie AG, EOS Holding SA, Tamoil, Yverdon Energies, Compagnie industrielle de Monthey SA und weitere potenziell interessierte Unternehmen.
Kaum Schnee, Monat für Monat neue Temperaturrekorde und Waldbrände - wir schauen auf ein Jahr voller Klimakatastrophen zurück und auch die Zukunftsprognosen geben keine Hoffnung. Werden jetzt nicht rasch die Treibhausgasemissionen gesenkt, werden wir in Zukunft noch mit stärkeren Auswirkungen der Klimakrise zu kämpfen haben. Die Schweiz hat sich verpflichtet, die 1.5-Grad-Grenze einzuhalten. Dies bedeutet, gemäss Internationaler Energieagentur, dass keine neue fossile Infrastruktur gebaut werden darf. Jedes fossile Kraftwerk und jede Tonne CO2, die zusätzlich ausgestossen werden, haben mehr Zerstörung, mehr Klimatote und extremere Wetterereignisse zur Folge.
Vor einem Jahr wurden aufgrund einer Verfügung des Bundesrates in Birr Resevekraftwerke fertiggestellt und eine Betriebsgenehmigung erstellt. Eine Anwohnerin aus der Gemeinde Birr hat mithilfe des Klimastreiks dagegen Einsprache erhoben und vor dem Bundesverwaltungsgericht gewonnen. Nun ist klar: der Bau der Reservekraftwerke war illegal, da nicht genügenden Hinweise auf eine drohende Strommangellage vorlagen. Da die Auswirkungen von fossil betriebenen Kraftwerken auf die Klimakrise enorm sind, müssen primär alle anderen Massnahmen wie der Ausbau erneuerbarer Energien, das Zurückhalten von Wassermengen und Energiesparmassnahmen in den Stauseen umgesetzt werden.
Wir fordern Sie dazu auf, nicht an der Ausschreibung des Bundesrates bezüglich neuen Reservekraftwerken teilzunehmen respektive ihre Bewerbung zurückzuziehen. Wie das Urteil zeigt, ist der Bau von Reservekraftwerken ohne gesetzliche Grundlage in der momentanen Situation nicht gerechtfertigt und in Zeiten der Klimakrise fatal. Wir werden den Bau und den Betrieb neuer Reservekraftwerke mit allen Mitteln versuchen zu verhindern - juristisch, politisch sowie aktivistisch.
Freundliche Grüsse
Klimastreik Schweiz
Stellungnahmen der Unternehmen
Alle aufgelisteten Unternehmen wurden kontaktierten und deren Antworten oder öffentlichen Stellungnahmen laufend hier publiziert.
Perlen Papier AG
Peter Schildknecht, CEO: "Wir machen nicht mit bei der Ende Juli 2023 publizierten Ausschreibung."1
“Die Gruppe warte ab, ob eine zweite Ausschreibung folge, in der auch neue Reservegaskraftwerke ein Thema seien.”1
Alpiq
Guido Lichtensteiger, Mediensprecher: "Wir fokussieren auf den Ausbau der erneuerbaren Energien – Fokus Winterstrom – sowie gezielte Investitionen in Energieeffizienz und Speicherkapazitäten." Die Alpiq nimmt nicht an der Ausschreibung teil.1
Romande Energie SA
“Die Gruppe Romande Energie SA hält fest, für sie sei die Dekarbonisierung wichtig, weshalb sie in erneuerbare Energien und nicht in fossile Energieträger investieren wolle.” Die Romandie Energie SA nimmt nicht an der Ausschreibung teil.1
Axpo
Die Axpo hat ein Projekt für ein Gaskraftwerk im Auhafen in Muttenz BL eingereicht. Falls es dazu kommt, soll das Kraftwerk vorerst mit fossilen Brennstoffen betriben werden.2
Martin Stutz, Mediensprecher: “Wir prüfen zurzeit verschiedene Standorte in der Schweiz. Birr befindet sich nicht unter den Standorten.” Die Axpo prüft den Betrieb von Reservekraftwerken mit erneuerbaren Brennstoffen.1
Groupe E
Yves-Laurent Blanc, Mediensprecher: “Eine Entscheidung ist noch nicht getroffen.”1
Compagnie industrielle de Monthey SA
“Das Thema wird intern und von unseren Führungskräften diskutiert Bisher wurde noch keine Entscheidung getroffen.”1