Das Wort "radikal" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet "Ursprung" oder "Wurzel". Wer in Klimafragen radikal ist, fordert somit, dass die Ursachen des Problems angegangen werden – was man halt so tut, wenn man ein Problem wirklich lösen will. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Wer den Kampf gegen die Klimakrise nicht radikal führen will, ist schlicht nicht glaubwürdig.

"Extrem" auf der anderen Seite, leitet sich ebenfalls aus dem Lateinischen her und meint "äusserster", "am weitesten entfernter", "letzter“. Wer unsere Forderungen als "extrem" bezeichnet, will damit also meist sagen, dass wir zu weit gehen würden. Schliesslich gilt "Masshalten" als Schweizer Tugend und das Wort "extrem" wird vor allem mit politischen Randgruppierungen oder mit gruseligen Lifestyles im Reality-TV verbunden. Was darüber vergessen geht, ist aber das Faktum, dass wir das "gesunde Mass" längst überschritten haben. Denn die Folgen eines globalen Marktfundamentalismus sind nun wirklich als extrem zu bezeichnen: Die globalen Treibhausgasemissionen sind ausser Rand und Band, der Ressourcenverbrauch auch und natürliche Lebensräume sowie die Artenvielfalt stehen vor dem Kollaps. 

In den atomisierten, wettbewerbsgesteuerten Gesellschaften lösen sich Zusammenhalt, Solidarität und Sinnangebote auf und lassen die Menschen frustriert, wenn nicht sogar krank zurück. Im globalen Süden leiden die Menschen bereits unter den Folgen der Klimakrise, während unsere Regierungen darüber debattieren, wie man diese Menschen am besten ausserhalb der Grenzen hält, sollte ihre Heimat nicht mehr bewohnbar sein. Das Extremste, das man in einer solchen Welt tun kann, ist somit, genauso weiterzumachen wie bisher. Dies wäre nun wirklich der Gipfel eines verblendeten Extremismus!