Take 1: "Die Klimakrise ist dringend und krass. Aber es ist sowieso alles verloren."

Diese Argumentation nimmt die Klimakrise zwar ernst, aber sagt im nächsten Atemzug auch schon gleich, dass wir uns eigentlich nicht darum kümmern müssen, da es nichts mehr gibt, was wir tun könnten. Das ist schlicht falsch. Laut dem Weltklimarat (IPCC) können wir es schaffen, die 1.5-Grad-Grenze nicht zu überschreiten. Ausserdem: Jedes Zehntel Grad Erhitzung, welches verhindert wird, macht einen Unterschied. Interessant ist es, sich zu fragen, ob die Autor*innen dieser Aussage, womöglich gar kein Interesse daran haben, dass sich schnell etwas verändert...

Take 2: "Die Klimakrise ist dringend und krass. Wir müssen etwas tun. Eigenverantwortung!"

Auch diese Argumentation nimmt die Klimakrise ernst, doch die Verantwortung sie zu lösen wird dabei auf das Individuum geschoben. Doch einzelne, individuelle Taten können ein globales, komplexes Problem, das auf unserem gesellschaftlichen System basiert, nicht lösen! Nur gemeinsam als Bewegung ist es möglich, dieses System von unten zu verändern (und dabei natürlich auch gemeinsam unsere Lebensweise ökologischer zu gestalten.) Aussagen wie diese isolieren uns und verhindern echten Wandel.

Take 3: "Die Klimakrise ist dringend und krass. Wir müssen etwas tun. Wir sind zu viele Menschen!"

Diese Aussage geht davon aus, dass jeder Mensch gleich viel Ressourcen braucht und der Ressourcenverbrauch deshalb anstieg, weil es mehr Menschen gibt. Tatsächlich verursachen aber die 10% reichsten Menschen mehr als 50% der globalen Treibhausgasemissionen. Wenn wir denn jemenschen die Schuld zuweisen müssen, dann sind es reiche Menschen, die einen luxuriösen und emissionsreichen Lebensstil führen und von dem System der Klimazerstörung profitieren. Das Argument der "zu vielen Menschen" existiert schon lange und wird oft in ökofaschistischen Ideologien betont. In diesen Vorstellungen sind jene Menschen, welche zu viel sind, dann natürlich nicht sie selbst, sondern meistens Black, Indigenous and People of Color im globalen Süden. Gerade deshalb ist es besonders wichtig, bei diesem Argument aufzuhorchen und sich gegen faschistisches und rassistisches Gedankengut zu stellen.

Take 4: "Es muss etwas gegen die Klimakrise getan werden. Zum Glück haben wir Firma xy, die etwas macht. Kauft doch dieses Produkt!"

Natürlich kann es sein, dass das Produkt tatsächlich ökologisch und sinnvoll ist. Doch wir können durch Kaufen nicht die Klimakrise bewältigen. Dafür braucht es einen Systemwandel und ausserdem auch weniger Ressourcenverbrauch - also weniger Material, das wir kaufen und bald wieder wegwerfen. Deshalb ist es in den allermeisten Fällen Greenwashing, wenn die Klimakrise als Verkaufsargument miteingeführt wird. 
#klimastreik #ClimateJustice

Take 5: "Klimaschutz ist wichtig. Es gibt diese neue Alge, die macht, dass wir emissionsneutral fliegen können! Die Technik wird uns retten."

Wenn Technik uns retten könnte, hätte sie das schon getan. Würdest du in eine Achterbahn sitzen ohne Sicherheitsgurt, mit der Hoffnung, dass während der Fahrt jemensch eine Möglichkeit erfindet, die Schwerkraft ausser Kraft zu setzen? Nicht wirklich, oder? Genauso absurd ist die Behauptung, dass ein Systemwandel nicht notwendig sei, da es durch (Schlagwort) Innovation bald schon eine (Schlagwort) technische Lösung geben wird.

Take 6: "Die Klimakrise ist dringend und krass. Das Problem liegt jedoch in der menschlichen Natur."

Die Vorstellung, "die menschliche Natur" sei schuld, zeichnet das Bild, dass das Tier Mensch eine Eigenschaft habe, welche automatisch zur Klimakrise führt. Das stimmt offensichtlich nicht (den grössten Teil der Menschheitsgeschichte haben wir überstanden, ohne eine Klimakrise auszulösen). Diese Vorstellung behauptet ausserdem, dass alle Menschen einzeln für sich entscheiden, die Klimakrise zu verursachen. Doch für die allermeisten Menschen stimmt das überhaupt gar nicht! Vielmehr liegt es an dem System, in welchem wir aufwachsen und leben, welches uns dazu zwingt, einen Lebensstil zu führen, welche die Klimakrise verursacht und einen Produktionsstil pflegt, für welchen Nachhaltigkeit ein Fremdwort ist.

Take 7: "Die Klimakrise ist dringend und krass. Wir brauchen grünes Wachstum! "

Beweise, dass ein grünes Wachstum bzw. ein grüner Kapitalismus funktioniert,  existieren nicht wirklich. Beispiele, die zeigen, dass das Konzept nicht funktioniert, gibt es hingegen ohne Ende. Es gibt kein ewiges Wachstum auf einer endlichen Erde und der heutige Wachstumszwang zerstört unsere Lebensgrundlagen. Zur Bewältigung der Klimakrise brauchen wir deshalb ein Ende des Wirtschaftswachstums - egal, ob "grün" oder nicht.