Komm mit auf die Klimawandel-Reise

Komm mit auf die Klimawandel-Reise

Auf einer Wandertour querten wir kürzlich die Landesgrenze zwischen Frankreich und Andorra. Einige andere Wanderer*innen taten dies auch, nach den Sprachfetzen zu schliessen, waren verschiedenste Nationalitäten unterwegs. Sie alle wollten sich an der wunderbaren Natur freuen. Überrascht stellten wir jedoch fest, dass eine alte Absperrung zwischen den Grenzen niedergerissen worden war. Womöglich durch Steinschlag, vielleicht aber auch durch Menschenhand. Bei diesem Anblick habe ich mich gefragt: Ist es nicht das, worauf es ankommt: Grenzen fallen lassen, Barrieren auflösen, Denkmuster hinterfragen?

Früher wussten Politikerinnen und Politiker jeder Couleur, dass ein Kompromiss oft die einzige Lösung sein konnte. Sie gingen aufeinander zu, auch wenn es hart auf hart ging. Mir scheint, viele Politikerinnen und Politiker achten heute bei ihrem Programm mehr auf die Wählerstimmen, die sie gewinnen oder verlieren könnten, wenn sie dieses oder jenes heisse Eisen anpacken. Die Klimakrise ist jedoch zurzeit das heisseste Eisen. Auch wenn es nicht gefällt.

Die Jugend geht auf die Strasse, weil sie die Erben sind. Nur ist das Erbe, vor dem sie stehen, grossräumig ein stinkender, rauchender und giftiger Dreckhaufen anstelle des sprudelnden Wiesenbächleins voller Leben. Wir haben bisher auch vieles gut gemacht, doch müssen wir nun dringend nachbessern.

Der Umweltgedanke wurde mir in die Wiege gelegt. Mein diesbezügliches Denken ist grundsätzlich hinterfragend. Ich frage mich nicht mehr, ob ich dieses oder jenes Shampoo kaufen soll. Ich kaufe keines, sondern verwende Seife. Ich frage nicht, welche Seife ich kaufen soll, ich fertige sie selbst. Dasselbe mit Waschmittel, Brot und Gebäck, das Gemüse wächst in einem naturnahen Garten. In welchem zahlreiche Kinder mit uns die Zusammenhänge der Natur erleben und erlernen.

Was ich meine, ist: Ich kann mit diesem Denkmuster etwas bewegen. Täglich. Plastikberge und Transportwege vermeiden, Nahrungsmittelverarbeitung einsparen, Ressourcen schonen, die Luft reinhalten und das Wasser auch. Und wenn ich das reizende Kleid in der Auslage nicht kaufte, weil Textilien so viele Ressourcen aufbrauchen, dann esse ich stattdessen womöglich ein Vermicelles – und merke: ich könnte auch selbst Marroni sammeln, kochen und pürieren. Ich kann mein Geld einer nachhaltig anlegenden Bank anvertrauen. Durch gesundes Verhalten kann ich der Umwelt hoffentlich spätere Medikamentenbelastungen ersparen. Ich kann meinen Mitmenschen optimistisch begegnen und sie mitnehmen auf diese Reise. Eine lohnende Reise für uns, unsere Kinder, unsere Tiere, unser Wasser, unsere Pflanzen, unsere Luft – kurz: für uns Erden-linge.

Komm mit auf die Klimawandel-Reise. Sie wird die beste.

Ruth Sutter
56 Jahre jung
eidg. dipl. Pensionskassenleiterin
Inhaberin horterre.ch

Liebe Leserin, lieber Leser

Wir alle stehen vor einer gewaltigen Herausforderung, die ein ungeahntes Mass an globaler Kooperation zu ihrer Lösung erfordert. Es ist eine Zeit des Um- und hoffentlich bald auch des Aufbruchs. Die Klimaportraits stellen den Anspruch dar, den Stimmen aus der Mitte unserer Gesellschaft eine Plattform zu bieten, um über ihre Ängste, ihre Wünsche, Hoffnungen und Forderungen in einer Welt des raschen (Klima)Wandels zu sprechen. Menschen wie Du und ich erzählen, wie sie in ihrem Alltag mit den Einflüssen der Klimakrise umgehen und wie sie diese Erfahrung prägt.

Mit unserer Portrait-Reihe möchten wir aufzeigen, dass die Klimakrise für viele Menschen bereits Einzug in ihren persönlichen Alltag gehalten hat und nicht bloss ein abstraktes Problem der Wissenschaft ist.

Diesen Herbst wählen wir ein Parlament, welches in den nächsten vier Jahren die nötigen Entscheidungen treffen muss, um diese Herausforderung in den Griff zu bekommen. Wir alle sind deshalb in der Pflicht, unsere Stimme gewissenhaft abzugeben und Personen zu wählen, die dieser Aufgabe gewachsen sind.

#eusizuekunft #diniwahl #VoteForClimate