Rückblick auf ein bewegtes Jahr

Angefangen hat es in verschiedenen schweizer Städten im Dezember letzten Jahres, als mehrere hundert Schüler*innen einem über Whatsapp-Chats verbreiteten Aufruf gefolgt und zum ersten Mal auf die Strasse gegangen. Sie haben erkannt, dass ihre Zukunft auf dem Spiel steht: Die sich zunehmend verschärfende Klimakrise bedroht die Lebensgrundlagen von uns allen, doch aufgrund persönlicher Interessen verschliessen Machtträger*innen die Augen und ergreifen kaum Massnahmen, um das Problem zu lösen. Zwar sollte es nicht Aufgabe der Schüler*innen sein, die Klimakrise zu lösen, doch durch die Proteste sollten Gesellschaft und Politik wachgerüttelt werden.

Von Dezember bis Mai fanden neben kleineren lokalen Aktionen fast monatlich schweizweite oder globale Streiks oder Demos statt, die für jeweils für viel Aufruhr sorgten. Im Hintergrund hat sich die Bewegung formiert und eine Struktur gegeben. An mittlerweile fünf nationalen Treffen haben sich die Aktivist*innen auf ihre grundlegenden Forderungen geeinigt:

Wir fordern, dass die Schweiz den nationalen Klimanotstand ausruft.Wir fordern, dass die Schweiz bis 2030 im Inland netto 0 Treibhausgasemissionen ohne Einplanung von Kompensationstechnologien verursacht. Die netto Treibhausgasemissionen müssen zwischen 1.1.2020 und 1.1.2024 um mindestens 13% pro Jahr sinken, und danach um mindestens 8% pro Jahr sinken bis 1.1.2030. Alle Anteile verstehen sich relativ zu den Emissionen von 2018.Wir fordern Klimagerechtigkeit.Falls diese Forderungen im bestehenden System nicht umgesetzt werden können, braucht es einen Systemwandel.

Der Klimastreikbewegung hat im vergangenen Jahr zu mobilisieren vermocht wie kaum eine zuvor in der Schweiz. An der "Klimademo des Wandels", einer zentralen Klimademo am 28. September 2019 in Bern, haben fast 100 000 Menschen teilgenommen.

Erfolge und Enttäuschungen

Die Bewegung hat das Jahr 2019 in der Schweiz geprägt wie kein anderes Thema. Das Klima rückte in der Fokus der öffentlichen Debatte und sowohl Medien wie auch Politik waren gezwungen, Stellung zu nehmen. Die grosse Aufmerksamkeit, die der Bewegung zuteil wurde, ist wohl ihr grösster Erfolg. Dazu kommen einige politische Errungenschaften; etwa haben zahlreiche Städte den Klimanotstand ausgerufen. Aber wirkungsvolle Klimaschutzmassnahmen auf nationaler Ebene lassen auf sich warten.

Noch lange nicht am Ziel

Für die Klimaaktivist*innen ist klar: Solange ihre Forderungen nicht erreicht sind, bleiben sie dran. Noch ist die Politik weit davon entfernt, Massnahmen umzusetzen, die zu netto null Treibhausgasen bis 2030 führen würde. Dabei gäbe es viele Bereiche, wo angesetzt werden könnte, zum Beispiel beim Schweizer Finanzplatz. Der Klimastreik hat diesbezüglich Forderungen an die Politik und an die Finanzinstitute erarbeitet: Finanzflüsse sollen transparent und klimafreundlich werden, dazu braucht es auch Regulierungen, um so grosse Mengen an CO2 einzusparen und weitere Umweltschäden zu verhindern.

Auch nächstes Jahr geht es weiter: Am 15. Mai 2020 findet der Strike for Future statt, das bisher wichtigste und grösste Projekt der Klimastreikbewegung. Menschen aus allen Bevölkerungsschichten sollen sich beteiligen an diesem nationalen Aktionstag, ähnlich dem Frauenstreik. So soll ein zusätzliches starkes Zeichen gesetzt und der Druck nochmals erhöht werden. Bereits jetzt ist die Zusammenarbeit mit anderen Akteurinnen und der Aufbau von Lokalgruppen in vollem Gang.