In der politischen Debatte werden Kompromisse oft als besonders demokratisch und positiv gefeiert. Zum Beispiel werden sie mit Bezeichnungen wie "der goldene Mittelweg" beworben. Doch stimmt das?

Ein politischer Kompromiss bildet jene Position ab, welche die aktuellen politischen Kräfteverhältnisse am wenigsten durcheinanderschüttelt und unterstützt deshalb automatisch die aktuelle Situation – den Status quo. Die herrschende Position innerhalb des Status quo ist heute jedoch eine Haltung, die es in Ordnung findet, dass Menschen diskriminiert und unsere Lebensgrundlagen zerstört werden.

Mit Demokratie haben politische Kompromisse oft nur wenig zu tun – so haben zumeist weder jene Menschen, die heute schon besonders unter den Folgen der Klimakrise leiden noch all jene, welche in Zukunft darunter leiden werden, Einfluss auf die Entstehung des Kompromisses. Zudem werden Kompromisse auch nicht von der Bevölkerung gemacht, diese hat nur manchmal die Möglichkeit, ja oder nein dazu zu sagen. Ferner sind oft jene Haltungen in politischen Kompromissen tonangebend, die bereits besonders einflussreich sind. Und das sind in unseren Strukturen meistens auch Positionen, die den Status quo toll finden, da sie davon profitieren.

Und positiv ist der "goldene Mittelweg" im Zusammenhang mit der Klimakrise auch nicht, sondern verheerend! Denn mit Physik lässt es sich nicht verhandeln.  Angesichts einer Notlage führt ein Kompromiss zwischen Handeln und Nichthandeln in die Katastrophe. Und Massnahmen, welche die herrschenden Positionen am wenigsten vor den Kopf stossen, sind nicht zufällig fast immer jene, welche die kleinstmögliche Veränderung erwirken und das Problem nur an der Oberfläche, nicht aber bei den Ursachen angehen. Denn weshalb sollten politische Kräfte jene Strukturen verändern wollen, von welchen sie profitieren und aus denen sie ihre Macht gewinnen?

Oft wird dem Klimastreik vorgeworfen, zu wenig kompromissfreudig zu sein. Doch wir können keine Kompromisse eingehen, wenn dies bedeutet, den Status quo möglichst nicht anzutasten. Wenn wir auf die Wissenschaft hören und die Klimakrise bewältigen wollen, dann müssen wir radikal sein – also das Problem an den Ursachen angehen und das fordern, was notwendig ist, um diese Krise einzudämmen. Wir sind radikal, weil es notwendig ist.