…und was ist mit unseren Kindern?!

…und was ist mit unseren Kindern?!

Ja, ich kenne das sehr gut. Als komplett alleinerziehende Mutter und Architektin habe ich stets versucht, alles irgendwie richtig zu machen, ein bisschen öko, ein bisschen bio, aber vor allem einfach eine gute Mutter sein, das Leben geniessen, Freude weitergeben, mich möglichst nicht stressen lassen; mit Familie findet sich stets eine Ausrede. Auch in der Baubranche ist es so: jede*r glaubt zu wissen, was „ökologisch“ bedeutet, aber eigentlich handelt es sich dabei um lauter Halbwahrheiten, keine*r weiss wirklich, was Sache ist. Dabei hat die Baubranche einen gigantischen Anteil des menschlich verursachten CO2-Ausstosses zu verantworten! Grundsätzlich machte ich Augen und Ohren zu, wenn es ums Klima ging; ich habe es einfach nicht ertragen, hinzuschauen.

Erst vor kurzem bin ich aus meinem Dornröschenschlaf erwacht: Total unverhofft bin ich in einem Vortrag über die Klimakrise gelandet; plötzlich konnte ich nicht mehr wegsehen und weghören:

Wenn wir so weitermachen, werden unsere Enkel ein düsteres Erbe antreten. Wir sägen sprichwörtlich seit Jahrzehnten am eigenen Ast. Bleiben wir jetzt untätig, gerät das Selbstexperiment mit dem Ökosystem unseres Planeten ausser Kontrolle. Und die Erhitzung verstärkt sich nach Erreichen der Kipppunkte von selbst weiter. Wie Frösche im Kochtopf müssen unsere Kinder und Kindeskinder dann am eigenen Leib spüren, wie die globale Durchschnittstemperatur ansteigt – ohne noch etwas dagegen unternehmen zu können. Die sozialen Folgen einer solchen Entwicklung sind kaum erforscht. Werden unsere Gesellschaftssysteme stabil bleiben können, wenn weite Teile der bisher genutzten Flächen unbewohnbar und unfruchtbar würden? Können wir ein Worst-Case-Szenario überhaupt überleben? Die Klimakrise stellt uns vor die alte Frage „Sein oder nicht sein?“, welche mit Hinblick auf die Kinder und Jugendlichen von heute und die kommenden Generationen beantwortet werden muss. Nur weil uns die Klimakrise nicht mehr in aller Härte treffen wird, können wir doch nicht einfach wegschauen!

Diese Erkenntnis fühlte sich an wie ein harter Aufprall auf den Boden, hat in mir Panik ausgelöst, denn: was können wir schon tun?! Ja, in dieser Gesellschaft, in der westlichen Welt können wir auch durch alle Anstrengungen in Eigeninitiative beim besten Willen keine Wende herbeiführen. Dafür ist es zu spät. Trotzdem nützt es nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. Denn wir haben auch am meisten Einfluss, verglichen mit den ärmeren Teilen der Welt! Wir haben das Wissen, um das Problem zu erkennen und wir können wählen gehen. Oder gar selbst politisieren! Aber wir müssen es JETZT tun! Für unsere Kinder. Für unsere Enkel. WAKE UP, GO VOTE!

Wider erwarten war der Boden der Wahrheit aber gar nicht so hart: als ich mich nach dem ersten Schock wieder aufgerappelt hatte, war ich irgendwie erleichtert: endlich wusste ich, was wichtig ist, endlich wusste ich, wofür es sich zu kämpfen lohnt! Den Fokus wegzunehmen von meinem „persönlichen Drama“ tat so gut, hat alles relativiert. Sich für unsere Erde einzusetzen fühlt sich total befreiend an, Ignoranz war viel anstrengender!

Übernehmen wir Verantwortung: sowohl für den durch Menschen verursachten Treibhauseffekt als auch für den Entscheid, Kinder auf diesen Planeten zu stellen!

Wir haben die Erb*innen dieser Erde in uns gertragen, sie geboren und umsorgt;
und nun sehen wir der Zerstörung ihres Erbes, ihrer Lebensgrundlage tatenlos zu?
Welche Eltern würden dies bewusst tun?

 

Franziska Moog                                                                                                                                                                                                                                        38 Jahre jung                                                                                                                                                                                                                                  Architektin                                                                                                                                                                                                                                alleinerziehende Mutter