Wir müssen bloss wollen

Wir müssen bloss wollen

Ein Bauprojekt ist ein komplexes Konstrukt mit unzähligen Beteiligten, politischen, zeitlichen und finanziellen Rahmenbedingungen. Ein Umfeld, in dem anspruchsvolle Projekte nur dann erfolgreich sein können, wenn alle Beteiligten bedingungslos dahinter stehen und sich dafür einsetzen. Ein Umfeld, in dem es viel Überzeugung und Fleiss braucht, um Innovationen umzusetzen, da die anfänglichen Investitionen hoch sind und sich oft erst langfristig bezahlt machen. Und doch werden regelmässig neue Meilensteine gesetzt, scheinbar Unmögliches wird machbar. Im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit besteht in der Baubranche allerdings noch viel Luft nach oben. Der Energieverbrauch von Neubauten im Betrieb kann zwar bereits deutlich gesenkt werden, die graue Energie, welche beim Bau verbraucht wird und in den verwendeten Produkten steckt, übersteigt aber oft die Betriebsenergie der gesamten Lebensphase. Bereits in der Planung muss deshalb darauf geachtet werden, auch die graue Energie zu reduzieren, z. B. durch eine ressourcenschonende Architektur, Verwendung emissionsarmer Baustoffe und Recycling. Leider wird das noch viel zu wenig umgesetzt. 

Am meisten Potential sehe ich dabei in der Sensibilisierung der Bauherr*innen, Planer*innen und Unternehmer*innen. Die Technologien sind in vielen Bereichen bereits vorhanden. Wenn bedacht wird, welche Mittel uns zur Verfügung stehen und wie wir sonst im Stande sind, selbst komplexeste Aufgaben zu meistern, ist es garantiert auch möglich, die nötigen Schritte im Bereich der Nachhaltigkeit zu unternehmen. Wir müssen bloss wollen.

Mit der Klimakrise sind wir mit einer Herausforderung nie dagewesenen Ausmasses konfrontiert. Trotzdem fällt es uns schwer, die Dringlichkeit des Handelns zu verinnerlichen. Die Krise ist zu abstrakt, die Konsequenzen schwer auszumalen und scheinbar nicht nahe genug, um fassbar zu sein. Der Einfluss eines Individuums scheint mikroskopisch im globalen Vergleich. So tendieren viele Menschen dazu, vorerst alles „beim Alten“ zu belassen, zu beobachten, abzuwarten was rundherum geschieht, um sich nicht zu exponieren.

Aber es ist nicht die Zeit zum Warten. Es ist Zeit zum Machen. Wir müssen bereit sein, alles zu verändern, wollen wir die Welt wie wir sie kennen „beim Alten“ belassen. Wir müssen miteinander diskutieren, uns hinterfragen, Wertvorstellungen anpassen und Ziele neu definieren. Wir müssen den Mut haben, international eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Die Voraussetzungen dazu sind in der Schweiz so gut wie kaum wo sonst.

Ich glaube daran, dass wir es nach wie vor in den eigenen Händen haben, dass die Herausforderungen bewältigbar sind. Aber noch viel mehr als beim Bauen, kann ein so ambitioniertes Unterfangen nur dann gelingen, wenn uns allen die Dringlichkeit des Handelns bewusst ist, wir uns voll und ganz dafür einsetzen und am gleichen Strick ziehen.

Das erfordert nicht nur das Engagement jeder/jedes Einzelnen, sondern auch die Mithilfe des Staats, der die Krise anerkennt, vorausgeht, Verantwortung übernimmt und die nötigen Rahmenbedingungen setzt.

Die Aufgabe, das Parlament dieses Staates zu bilden, liegt im Oktober bei uns. Wir mögen ansonsten politisch unterschiedliche Ansichten haben. Wenn es ums Klima geht, gibt es aber keinen Spielraum. Hier müssen wir uns einig sein.

Andri Covini
28 Jahre jung
Bauingenieur

Liebe Leserin, lieber Leser

Wir alle stehen vor einer gewaltigen Herausforderung, die ein ungeahntes Mass an globaler Kooperation zu ihrer Lösung erfordert. Es ist eine Zeit des Um- und hoffentlich bald auch des Aufbruchs. Die Klimaportraits stellen den Anspruch dar, den Stimmen aus der Mitte unserer Gesellschaft eine Plattform zu bieten, um über ihre Ängste, ihre Wünsche, Hoffnungen und Forderungen in einer Welt des raschen (Klima)Wandels zu sprechen. Menschen wie Du und ich erzählen, wie sie in ihrem Alltag mit den Einflüssen der Klimakrise umgehen und wie sie diese Erfahrung prägt.

Mit unserer Portrait-Reihe möchten wir aufzeigen, dass die Klimakrise für viele Menschen bereits Einzug in ihren persönlichen Alltag gehalten hat und nicht bloss ein abstraktes Problem der Wissenschaft ist.

Diesen Herbst wählen wir ein Parlament, welches in den nächsten vier Jahren die nötigen Entscheidungen treffen muss, um diese Herausforderung in den Griff zu bekommen. Wir alle sind deshalb in der Pflicht, unsere Stimme gewissenhaft abzugeben und Personen zu wählen, die dieser Aufgabe gewachsen sind.

#eusizuekunft #diniwahl #VoteForClimate