Der Wandel beginnt im Kopf

Der Wandel beginnt im Kopf

Es regnet, wieder einmal fast einen ganzen Tag lang, während ich diese Zeilen schreibe.  Ich mag mich nicht erinnern, wann es dieses Jahr das letzte Mal einen ganzen Tag geregnet hat. Die Trockenheit und die Hitze vom letzten Jahr sind noch nicht verdaut und wieder ist die Situation fast dieselbe wie letztes Jahr. Es ist heiss, es ist trocken, die Grundwasserpegel sinken, die Pflanzen, Tiere und Menschen leiden.

Seit meine Frau und ich den Landwirtschaftsbetrieb vor 5 Jahren übernommen haben, erlebten wir drei trockene, heisse Jahre. Das Klima, das Wetter, die Umwelteinflüsse sind unsere täglichen Begleiter in unserer Arbeit als Bauer und Bäuerin. Die Auswirkungen der Klimaveränderung zeigen sich uns immer klarer und ungeschminkter, ob im Ackerbau, im Grasland, bei den Gemüsekulturen oder im Wald. Und wenn unsere Quelle noch halb so viel Wasser hergibt wie im Jahr zuvor, werden wir mit einer harten Realität konfrontiert. Die Zeichen sind eindeutig und sie rufen nach Veränderung.

Am Ursprung jeder Veränderung stehen Erkenntnis und Einsicht

Der Wandel beginnt im Kopf. Am Ursprung jeder Veränderung stehen Erkenntnis und Einsicht. Wir müssen uns von den Gedankenfesseln befreien, die uns jahrzehntelang eingeimpft wurden. Wir brauchen Frieden statt Krieg, Kooperation statt Konkurrenz, Wohlstand statt Reichtum. Wir sollten in allem die optimale Grösse anstelle eines unbegrenzten Wachstums anstreben, so wie es uns die Natur vorzeigt. Wir müssen uns klar werden, was für eine Welt wir den kommenden Generationen hinterlassen wollen.

Die Landwirtschaft in der Schweiz verbraucht heute zwei Kalorien an Energie um eine Kalorie an Lebensmittel zu erzeugen und ist für rund 12% der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Diese Rechnung kann nicht aufgehen und wir erfahren dies am eigenen Leib. Dabei könnte die Landwirtschaft wesentlich dazu beitragen, die Klimaziele zu erreichen: Kooperationen von Konsument*innen und Produzierenden für kürzere Transportwege, Humusaufbau in den Böden als CO2-Senke, Nutzung von erneuerbaren Energien, dem Betrieb angepasste Tierbestände und Fütterung, Instandhaltung und Gestaltung  von Lebensräumen zum Erhalt der Artenvielfalt. Wenn ich die Möglichkeiten sehe, die sich in der Landwirtschaft bieten, zu einem positiven Wandel beizutragen, motiviert mich das in meiner täglichen Arbeit. Dann wird der Wandel für mich greifbar und konkret.

Markus Schwegler
39 Jahre jung
Familienvater & Bio-Bauer

Liebe Leserin, lieber Leser

Wir alle stehen vor einer gewaltigen Herausforderung, die ein ungeahntes Mass an globaler Kooperation zu ihrer Lösung erfordert. Es ist eine Zeit des Um- und hoffentlich bald auch des Aufbruchs. Die Klimaportraits stellen den Anspruch dar, den Stimmen aus der Mitte unserer Gesellschaft eine Plattform zu bieten, um über ihre Ängste, ihre Wünsche, Hoffnungen und Forderungen in einer Welt des raschen (Klima)Wandels zu sprechen. Menschen wie Du und ich erzählen, wie sie in ihrem Alltag mit den Einflüssen der Klimakrise umgehen und wie sie diese Erfahrung prägt.

Mit unserer Portrait-Reihe möchten wir aufzeigen, dass die Klimakrise für viele Menschen bereits Einzug in ihren persönlichen Alltag gehalten hat und nicht bloss ein abstraktes Problem der Wissenschaft ist.

Diesen Herbst wählen wir ein Parlament, welches in den nächsten vier Jahren die nötigen Entscheidungen treffen muss, um diese Herausforderung in den Griff zu bekommen. Wir alle sind deshalb in der Pflicht, unsere Stimme gewissenhaft abzugeben und Personen zu wählen, die dieser Aufgabe gewachsen sind.

#eusizuekunft #diniwahl #VoteForClimate