Eine lebenswerte Zukunft erhalten wir nur mit vereinten Kräften

Eine lebenswerte Zukunft erhalten wir nur mit vereinten Kräften

Seit ich als Co-Präsidentin der KlimaSeniorinnen Schweiz vor genau drei Jahren zusammen mit unserem Verein von mittlerweile über 1500 Mitgliedern den Bundesrat verklagt habe, weil er viel zu wenig unternimmt gegen die Klimakrise, bin ich noch stärker sensibilisiert und fokussiert auf das Klimathema. In Anbetracht der Zunahme der bald allwöchentlich gemeldeten Jahrhundertwetterereignisse, Brände und des Schmelzens des Permafrosts und der Gletscher, sowie der zunehmenden Rückkoppelungseffekte, vor allem in der Nordhälfte unseres Planeten, spüre ich einen extremen Druck und die Dringlichkeit sofortigen Handelns.

Als ich neulich gebeten wurde, am Flüchtlingssonntag in einem Gottesdienst zu reden, sprach ich von unserer KlimaSeniorinnenbewegung und von den wohl über 200 Millionen Klimaflüchtlingen, die, laut verschiedensten Fachleuten, in den nächsten 20 Jahren ihre Heimat verlassen müssen, um in einem klimatisch stabileren Land eine neue Überlebenschance zu suchen. Ich sprach auch davon, dass mir der Einsatz für mehr Klimagerechtigkeit und für ein gesundes Leben auch in Zukunft für unsere Enkelgenerationen, sowie für den Erhalt unserer wundervollen Erde zu einer Mission geworden sei. Natürlich will ich das Missionieren möglichst vermeiden, was mir leider nicht immer gelingt. Was wir tun und lassen sollen, um das Klima nicht weiter zu schädigen, weiss heute bald jedes Primarschulkind. Mir geht es  vor allem darum, die Dringlichkeit des Bedarfs am Handeln aufzuzeigen und  die Mächtigen, sprich Politiker*innen und Konzernleitende, zum sofortigen Handeln zu bringen, ja noch besser, zu zwingen. Es geht mir auch darum die jungen Menschen immer mehr zu unterstützen und zu motivieren, an Klimastreiks und -demos auf der Strasse ihren Druck zu verstärken. Und hier stehe ich vor einem grossen Dilemma: Einerseits will ich die Kinder und Jugendlichen – meine 7 Enkelkinder eingeschlossen – informieren und anfeuern, zu tun, was in ihrer Möglichkeit liegt und andererseits will ich unter keinen Umständen, dass die Kinder nur noch verängstigt in eine nicht mehr lebenswerte Zukunft blicken, wie es bereits bei einigen Angehörigen der Extinction Rebellion in England passiert, wo Mitdemonstrierende junge Menschen psychiatrisch behandelt werden müssen. Ich wünsche mir, dass wir die Balance finden zwischen ernsthaftem Motiviertsein und einem freudvollen, stärkenden, aufstellenden Miteinander-erreichen-wir-etwas-Gefühl, das ich jeweils an den Demos erlebe, wo ich immer auch mit meinem Klimaseniorinnenbanner mitmache.

Ich selber habe schon in den 70er-Jahren an den Anti-AKW-Demos diese Kraft erlebt und der Wille, mich ständig für die Um- und Mitwelt einzusetzen, ist geblieben. Die Tatsache, dass das Meiste vor 50 Jahren seinen Lauf genommen hat und damals genau das Gleiche wie heute schon im Argen lag, die landwirtschaftlichen Böden, die Nahrung, die Luft, das Trinkwasser, die Ausbeutung der Erde und alles schon absehbar war und wir offensichtlich nichts gelernt haben, erschüttert mich immer wieder.

In meinem Lebensalltag versuche ich, seit ich Familienfrau mit 4 Kindern wurde, vor allem beim Konsumieren möglichst konsequent biologische, sozialverträgliche und lokale Produkte zu bevorzugen. Auch lebten wir seit jeher autofrei und reisen seit 10 Jahren ausschliesslich in Europa ohne Flugzeug meist mit Zug und Fähre.

Ich hoffe, das «Nachhaltigkeitsgen» erfasse immer mehr Jugendliche in ihrem Bewusstsein, so dass wir einer neuen Zukunft entgegenblicken können, wo die Werte der Gesellschaft sich äussern in mehr Kooperation statt Konkurrenz und mehr gelebter Gemeinschaft und Beziehung anstatt dem Wetteifern nach Gewinnoptimierung welche hauptverantwortlich ist für die immer stärkere Ausbeutung unserer Erde.  

Nur wenn wir alle zusammenspannen – wir KlimaSeniorinnen mit dem Durchziehen unserer Klage, mit der wir den Bund zum Handeln zwingen wollen, ein immer grösser werdender Teil der Bevölkerung  mit der sichtbaren Bereitschaft zu einem suffizienteren Lebensstil, die Jugendlichen im konsequenten Durchhalten mit Klimademos-und Streiks, und letztlich die Politiker*innen im Durchsetzen neuer Rahmenbedingungen und Gesetzen, schaffen wir es gemeinsam, unsere Erde als einen lebenswerten, gesunden Planeten zu bewahren.

Lasst uns beginnen – jetzt!

Rosmarie Wydler-Wälti
69 Jahre alt
Co-Präsidentin der KlimaSeniorinnen Schweiz