Forderungen an den Schweizer Finanzplatz

Forderungen an den Schweizer Finanzplatz

Klimastreikende richten Forderungen an den Schweizer Finanzplatz

Durch Investitionen in und Finanzierungen von klimaschädlichen Unternehmen und Projekten, verantworten die Schweizer Finanzinstitute eine 4-6 Grad Erderwärmung und verletzen damit klar das Pariser Abkommen. Deswegen fordert Klimastreik Schweiz klimafreundliche und transparente Finanzflüsse. 

Die grösste Gefahr fürs Klima ist unser Geld

Laut der Klima-Allianz Schweiz ist die grösste Gefahr fürs Klima unser Geld. Denn die Schweiz fördert zwar weder Öl, noch verbrennt sie Kohle, investiert und finanziert aber mit den über 7’000 Milliarden hierzulande verwalteten Schweizer Franken [1] (in) genau solche Projekte und Unternehmen. Damit werden viele dieser umweltschädlichen Projekte erst möglich gemacht. 

“Spätestens  seit der Aktion des ‘Collective Climate Justice’ sollte allen bewusst sein, dass die Schweizer Finanzinstitute die Klimakrise in erheblichem Masse mitfinanzieren.” – Stephanie Wyss

Der Einfluss der Schweizer Finanzinstitute verletzt das Pariser Abkommen klar

Schon nur durch die Investitionen der Versicherungen und Pensionskassen verantwortet der Schweizer Finanzplatz mehr als 20-mal so viele Treibhausgasemissionen wie die ganze Schweiz als Land ausstösst [2]. Allein die beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse verantworteten 2017 durch die Finanzierung von 47 Unternehmen, die im Bereich der besonders dreckigen, sogenannt extremen fossilen Brennstoffe tätig sind, 93,9 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen [3]. Das sind rund doppelt so viele Emissionen wie die Schweiz im Inland in einem Jahr verursacht. Zu den extremen fossilen Brennstoffen zählen Kohle, Öl aus Teersanden, aus der Arktis und der Tiefsee sowie Flüssiggas (LNG). 

Durch die Unterstützung von klimaschädlichen Projekten und Unternehmen verantwortet der Schweizer Finanzplatz eine 4-6 Grad Erderwärmung [4]. Dies verletzt klar die 1.5 Grad Limite des Pariser Abkommens. Insbesondere Artikel 2c wird dabei klar verletzt: Dieser verlangt, “Finanzströme in Einklang mit einem Weg zu tiefen Treibhausgasemissionen und klimaresistenter Entwicklung zu bringen”. 

Klimastreik Schweiz fordert klimafreundliche Finanzflüsse und Transparenz

Jedoch gibt weder die Politik dem Schweizer Finanzplatz klare Vorschriften und Standards bezüglich nachhaltigen Investitionen und Finanzierungen, noch steigen die Schweizer Finanzinstitute  selbständig genügend schnell aus fossilen Energien und weiteren umweltschädlichen Projekten aus. Zudem fehlen aufgrund mangelnder Transparenz konkrete Studien und Zahlen, welche das komplette Ausmass, der Finanzflüsse des Schweizer Finanzplatzes dokumentieren können. Diese Zahlen sind vermutlich erst die Spitze des Eisberges. 

Deshalb hat Klimastreik Schweiz spezifische Forderungen zu diesem Sektor ausgearbeitet:

  1. Wir fordern von Bundesrat und Parlament klare Vorschriften und Standards bezüglich nachhaltiger  Investitionen und Finanzierungen [*] für Schweizer Finanzinstitute (Banken, Schweizerische Nationalbank, Pensionskassen, Versicherungen, unabhängige Vermögensverwaltungen und Stiftungen).
    1. Bis zur Frühlingssession 2020 einen umfassenden Plan des Bundes.
  2. Wir fordern transparente Veröffentlichungen der Finanzflüsse (Finanzierungen, Investitionen und Versicherungsdienstleistungen) der Schweizer Finanzinstitute ab Jahr 2020.
  3. Wir fordern eine Reduktion der direkten und indirekten Treibhausgasemissionen des Schweizer Finanzplatzes auf Netto 0 bis 2030 [**] insbesondere der Stopp von Finanzierungen, Investitionen und Versicherungsdienstleistungen fossiler Energien.
    1. Ab sofort keine neuen Investitionen, Kredite und Versicherungsdienstleistungen von Projekten und Unternehmen, die in fossile Energien aktiv sind! Das betrifft unter anderem Kohleunternehmen, die Teersandbranche, Erdgas und Öl.
    2. Die Finanzinstitute sollen bis Ende Jahr klare Pläne mit konkreten Zielen und Massnahmen vorlegen, wie sie ihre Finanzflüsse (Kredite, Investitionen und Versicherungsdienstleistungen) bis 2030 auf Netto 0 bringen.
    3. Wir fordern ein verpflichtendes Versprechen zu Netto 0 bis 2030 bis zum COP 25 im Dezember 2019.

Finanzinstitute, die diese Forderungen nicht umsetzen, kommen auf die schwarze Liste der Klimaaktivist*innen.   

Unterstützung und selbständiges Handeln ist erwünscht

Bereits haben einige Umweltschutzorganisationen mündlich die Unterstützung der Forderungen zugesichert. “Ausserdem appellieren wir an die Bevölkerung, selbständig zu handeln, indem sie sich über die Klimafreundlichkeit ihrer Finanzinstitute kritisch informieren” meint Claire Descombes, eine engagierte Klimastreikende.

Bemerkungen

[*] Für uns bedeutet Nachhaltigkeit, dass nicht nur ökologische Aspekte angeschaut werden, sondern auch soziale und ethische. Profitmaximierung soll nie wichtiger als Leben sein. Dabei muss das gesamte Unternehmen nachhaltig sein, vereinzelte nachhaltige Projekte sind nicht ausreichend.

[**] Dies bedeutet nach der neusten Definition von Klimastreik Schweiz, dass die netto Treibhausgasemissionen zwischen 1.1.2020 und 1.1.2024 um mindestens 13% pro Jahr, und danach um mindestens 8% pro Jahr bis 1.1.2030 sinken müssen. Alle Anteile verstehen sich relativ zu den 2018 Emissionen.