2019, ein Jahr dominiert von der Klima- und Frauen*bewegung

2019, ein Jahr dominiert von der Klima- und Frauen*bewegung

Dieses Jahr war aufregend, spannend, traurig, lustig, frustrierend, schön und vor allem  abwechslungsreich! Noch nie habe ich in einem Jahr so viele Dinge unternommen, so viel im Leben gelernt und mich so stark mit der Politik auseinandergesetzt. Jedoch war ich auch noch nie so hoffnungslos, euphorisch und wütend. Es war ein Jahr in dem meine Emotionen so ausgeprägt und abwechslungsreich waren wie noch nie zuvor.

Anmerkung: Dieser Beitrag wurde von einer Einzelperson geschrieben und repräsentiert nicht die Meinung von Klimastreik Schweiz.

2019,

Noch keine Revolution, aber die Aufbruchstimmung ist da.

Dieses Jahr war aufregend, spannend, traurig, lustig, frustrierend und schön, alles im allem sehr abwechslungsreich! Noch nie habe ich in einem Jahr so viele Dinge unternommen, soviel im Leben gelernt und mich so stark mit der Politik auseinandergesetzt. Jedoch war ich auch noch nie so hoffnungslos und wütend. Oft aber auch fühlte ich eine Stimmung des Aufbruchs, eine Euphorie, die mich durch das Jahr 2019 getragen hat. Es war ein Jahr voller Emotionen.

Die unbeschreibliche Motivation am Anfang war episch; ich nahm zum ersten Mal an Sitzungen teil, verteilte zum ersten Mal Flyer, diskutierte so oft über Politik wie in keinem Jahr zuvor. In diesem Jahr habe ich mich so sehr politisiert, dass ich riesige Probleme in persönlichen Gesprächen habe z.B. mit Freund*innen, unpolitisch zu denken – plötzlich ist alles politisch.

Am Anfang des Jahres fing ich an politische Bücher zu lesen, gefühlt jeden Zeitungsartikel über den Klimawandel zu konsumieren und mich mit den Ursachen der globalen Erwärmung auseinanderzusetzen.  Zu Beginn war ich noch der Auffassung, dass es wichtig ist zu demonstrieren und die Politik dadurch vielleicht aufwachen würde. Ja, ich weiss was ihr denkt: “You’re a dreamer, du!”. Doch ich wusste noch nicht so gut über die Politik bescheid und wie diese funktioniert, fing erst wenige Wochen vor dem ersten Klimastreik (14.12.18) an, mich dafür vermehrt dafür zu interessieren. Da wollte ich einer Jungpartei beitreten doch ich wusste nicht welcher, ich war mir sicher nur sicher, es müsse eine linke und klimafreundliche Partei sein. Da ich mich jedoch nicht entscheiden konnte, trat ich der JUSO und den JG bei. Dann kam der erste Klimastreik, durch den ich nur mit Zufall stiess. Ein Freund von mir sendete nämlich eine Mobi-Nachricht für den Streik im Klassenchat. Mit ein paar Freund*innen ging ich zum Streik, doch anfangs war noch niemensch da, doch dann kamen doch noch einige, mehrere hundert waren wir letztendlich. Dies war ein Moment, der mein Leben wohl für immer prägen wird! Am Anfang dachte ich, es sei eine gute Sache, die ich unterstützen will, am Wochenende zog ich mir einige Dokus zum Klimawandel rein und bemerkte, dass wir am Arsch sind. Nicht nur ein bisschen; ich konnte kaum fassen, wie sehr ich den Klimawandel unterschätzt hatte! Doch die Motivation vom ersten Streik war immer noch da und sie war grösser als zuvor. 

Danach trat ich dem Chat der zürcher Klimabewegung bei und ging an die ersten Sitzungen und später auch ans erste nationale Treffen. Danach kam der 18. Januar 2019, der erste Streik, der an vielen Orten stattfand. Nach der Demo war ich ein wenig enttäuscht, allzu viele waren nicht gekommen, nur etwa 2’000. Allerdings sah ich danach Bilder und Zahlen aus  Lausanne und war danach plötzlich motiviert, als ich sah wie viel drinliegt. Unbedingt wollte ich, dass an der nächsten Demo in Zürich mehr Leute teilnehmen. Die Vorbereitung für den 2. Februar, der ersten Samstagsdemo, war wohl die Zeit, in der ich am meisten Euphorie verspürte. Allen ging es so, sogar bei den Leuten aus meiner Klasse, die vielleicht einmal an einem Streik waren und ich spürte ich diese unglaubliche Motivation. Jede Pause, jeden Mittag, jede Stunde mit Uhrzeit und Ort beschrifteten wir die Flyer und Plakate, da sie diese Informationen noch nicht enthielten. Dafür wendeten wir pro Person unzählige Stunden auf in einer Woche und danach fingen wir an diese zu verteilen. Wir nutzten wirklich jede freie Minute, jeden Mittag, jede Freistunde, vor der Schule an den Bahnhöfen, nach der Schule in der Stadt. Die Plakate klebten wir überall in der Stadt hin.

Danach kam einer der schönsten Tage meines Lebens, der 2. Februar! Von der Masse, der Wucht, der Vielfalt und der Schönheit der Demonstration war ich völlig überrumpelt. Es fühlte sich an wie ein lang anhaltender, unglaublich geiler Rausch an.

Danach war ich fast zwei Wochen heiser, aber das Schreien lohnte sich trotzdem so sehr, vor allem nachdem ich begriffen hatte, dass es um alles geht um unser Leben und das aller anderen und vor allem auch um das der unschuldigen Menschen mit niedrigem Einkommen. Alle redeten über uns, alle gaben ihre Meinung dazu preis und es waren alle so unglaublich wütend auf die Politik, die uns weiterhin ignorierte.

Der nächste Streik war auch historisch, im Vorfeld war die Klimabewegung im Scheinwerferlicht. Ich sprach mit so vielen Menschen über diese Thematik, das ist wohl fast allen Klimastreikenden so gegangen, so viele Diskussionen haben wir wohl alle zuvor noch nie geführt. Diese Gespräche haben vielleicht bei einigen etwas bewirkt, doch das genügt noch lange nicht. Wie viel mussten wir uns gefallen lassen? Kindersoldaten, inkonsequente, ahnungslose Kinder seien wir, die die Welt nicht kennen, Ökoterroristen, Ökofuzzis – beleidigt wurden wir immer wieder! Doch davon liessen wir uns kaum beeindrucken.

Der erste globale Streik war, soweit ich weiss, national gesehe, der grösste Streik für das Klima an einem Freitag. Trotz strömenden Regen gingen Tausende in Zürich auf die Strasse, 13’000, das waren so viele, ich hatte viel weniger erwartet und war sehr überrascht.

Überall in der Schweiz, auch in den kleineren Orten waren so viele auf der Strasse und das war unheimlich motivierend, das Gefühl die Welt verändern zu können lag in der Luft.

Als mensch danach die Bilder der Demos auf der ganzen Welt sah, war das ein einzigartiges Gefühl. Wir waren wohl eines der ersten Länder, welches richtig viele Leute mobilisieren konnten, doch danach ging es nicht mehr steil bergauf. Für die nächste Demo hatte ich hohe Erwartungen, ich war mir sicher, dass noch viele mehr als am 2. Februar und 15. März kommen würden. Wenn am Freitag so viele Leute demonstrieren würden, dann müssten doch an einem Samstag noch viel mehr Leute dabei sein. Ich wettete mit Freund*innen, dass mehr als 100’000 in der Schweiz demonstrieren würden. Doch als sich dann der Helvetiaplatz nur langsam füllte, merkte ich, dass es nicht mehr als am 2. Februar waren.

Schlussendlich waren es dann doch eine ordentliche Demo, allerdings nicht so gross, wie ich es erwartet hatte. Schweizweit waren es deutlich weniger als an den vorherigen Demos, was mich ein wenig frustrierte und ich das Gefühl bekam, dass die Bewegung ihren Höhepunkt bereits erreicht hat.

Am nächsten Streik (24. Mai) in Zürich war ich eigentlich positiv überrascht, denn obwohl an der Uni Prüfungsphase war, machte dies den Streik nur ein wenig kleiner als den letzten globalen Streik. Doch schweizweit sanken die Zahlen weiter. Danach ging es dann in eine längere Pause, die jedoch voller Sitzungen war. Neue Motivation kam auf, wir waren alle so motiviert den Earthstrike zum grössten Klimastreik aller Zeiten zu machen. Wir dachten, dass wir jetzt Zeit hätten um Zehntausende nur in Zürich zu mobilisieren, plus eine Aktionswoche mit Streikdorf. Vielleicht hatten wir uns zu sehr um die ganze Aktionswoche gekümmert und uns zu wenig auf den Streik selbst fokussiert. Jedenfalls war es eine Enttäuschung, als nur 10’000 am Streik waren, auch wenn es sich mit der Zeit abgezeichnet hatte, dass wir nicht so viele Leute mobilisieren konnten, wie wir wollten. Allerdings war es dann trotzdem eine Ernüchterung, dass nach monatelanger Arbeit so viele Menschen weniger kamen, als wir gehofft hatten. Und dies bei perfektem Wetter und Bedingungen. Noch enttäuschender war es, wenn mensch es mit den Demonstrationen in anderen Ländern, z. B. Deutschland, in der Woche zuvor verglich. Dort sieht mensch nämlich was möglich gewesen wäre! Da ich national nicht aktiv bin, wusste ich ja nicht, was mich am nächsten Tag erwarten würde. Ich dachte die Bewegung wäre am Ende und glaubte die Demo in Bern würde eine weitere Enttäuschung werden, doch da täuschte ich mich gewaltig. Der Extrazug nach Bern, den ich nahm war, war mehr als total voll, fast alles Klimademonstrant*innen! Im Zug konnte ich jedoch noch nicht wissen, dass so viele Menschen in Bern sein würden. Nicht besonders motiviert fuhren wir mit dem Zug ein, doch schon bevor die Demo anfing war gefühlt ganz Bern voller Teilnehmenden. Der Bahnhof war komplett überfüllt, alle strömten zur Demo, doch der Versammlungsort war schon überfüllt, alle Strassen, die in der Nähe der grossen Schanze lagen, waren voll. Es war vielleicht einer der schönsten Momente dieses Jahres, als ich bemerkte, dass immer noch so viele, mehr als je zuvor, bereit für den Kampf gegen die Klimakrise sind. Ich hatte zuvor noch nie so viele Menschen versammelt gesehen und so bunt, aus allen Sprachregionen. Der Bundesplatz hatte lange nicht Platz für alle Menschen, die ganze Route war voller Menschen, ein Teil musste noch am Anfang stehen bleiben, weil es einfach keinen Platz mehr auf den Strassen und dem Bundesplatz gab.

Mensch fühlte sich übermächtig zusammen, bereit nun endlich die Welt zu verändern und motiviert alles zu verändern – gar bereit für eine Revolution.

Danach kam zuerst eine eher ruhigere Zeit (so habe ich es erlebt), für den nächsten Streik hatte ich jedoch zum ersten Mal keine Motivation zu mobilisieren und mit zu organisieren, da ich sowieso kein grosses Potenzial in dem nächsten Streik sah. In Zürich war die Demo akzeptabel, aber nicht gross. 

Seither gab es keine grossen Klimademos mehr, jedoch ist jetzt wieder eine neue Motivation da. Der Strike for future ist ein neues, riesiges Projekt und wird sicherlich um einiges grösser als die Streiks zuvor. 

Das Jahr 2020 wird historisch, die Demonstrationen werden grösser als je zuvor, der “Strike for Future” wird sicher der grösste Streiktag für das Klima aller Zeiten. Es bleibt zu hoffen, dass das Motto „By 2020 we rise up“ auch umgesetzt wird.

 

Angaben zum Autor

Emil Schneider ist Kantonsschüler